Das Projektblog für die trnd-Projektpiloten: Hier gibt's die aktuellen Projektnews und Diskussionen rund um das trnd-Projekt Opel Astra Sommertour 2007.

Eine Woche Astra GTC

So, nun hab ich es endlich geschafft mir die Zeit zu nehmen, meine während der GTC-Woche geschossenen Fotos zu sichten und zuzuschneiden, so dass ich nun auch endlich den angekündigten umfassenden Erfahrungsbericht schreiben kann.

Ich denke, ich habe die Woche ganz gut genutzt, denn zwei meiner Freunde – ebenfalls trnd-Mitglieder – und ich haben immerhin drei große Tagestouren und eine Halbtagstour unternommen, und nebenbei konnte ich den Wagen auch noch ein bisschen auf seine Alltagstauglichkeit hin untersuchen.

Insgesamt gehen rund 2.000 km der Laufleistung auf mein Konto, und dafür haben wir drei insgesamt Sprit mit einem Anschaffungswiderstand von rund 180 Euro durch den Tank geballert. Das entspricht etwa 140 Litern Sprit (mal Normalbenzin, mal Super, je nachdem, was ich testen wollte) und somit einem Durchschnittsverbrauch knapp unter 7 Litern je 100 Kilometer. Ihr seht also schon, wirklich dauerhaft an seinen Grenzen haben wir den Wagen nicht getreten, sondern moderate Reisegeschwindigkeiten bevorzugt.

Unsere Trips führten uns in den Düsseldorfer Medienhafen, nach Frankfurt am Main, nach Amsterdam und Zandvoort sowie nach Brüssel. Bis auf den Montag Nachmittag in Düsseldorf, dem ich meine Erkältung verdanke, die ich mir da zugezogen habe, hatten wir extremes Glück mit dem Wetter, und so konnte insbesondere die Panorama-Windschutzscheibe ihre Vorzüge voll zur Geltung bringen.

Ich habe die besten Fotos der einzelnen Touren jeweils in einer eigenen Kategorie auf meinem Photoblog veröffentlicht, hier im Bericht liefere ich aus Platzgründen daher nur einige Teaser-Pics ;)

Doch kommen wir zu meiner Einschätzung des Opel Astra GTC….

Außen

Von außen ist der Wagen einfach „wow“…. Ich war zwar kurzzeitig etwas enttäuscht, als ich die ersten Fotos in den ersten Berichten hier sah und feststellte, dass der Wagen entgegen der Ankündigung des Projekts nicht in weinrot daher kam, sondern in einer Mischung aus Silber und Champagner, doch wenn man den Wagen in dieser Farbe einmal live sieht, verfliegt die Enttäuschung sehr schnell. Ein kleiner, aber angenehmer Nebeneffekt dieser Farbgebung ist, dass kleine Regenspuren nicht sofort auffallen, sondern erst in bestimmten Blickwinkeln und bei starker Sonneneinstrahlung sichtbar werden. Nicht zuletzt deshalb konnte man es verschmerzen, dass der Wagen witterungsbedingt und wegen sonntags geschlossener Waschstraßen nicht stets gewaschen an den jeweils nächsten Fahrer übergeben werden konnte (ich habe da ja leider keine Ausnahme gemacht, denn am Samstag vor meinem Übergabetag regnete es ja Katzen und Hunde, und sonntags, als es wieder schön war, war es dann wiederum unmöglich, eine geöffnete Waschstraße zu finden, so dass ich mindestens der dritte oder vierte Fahrer war, der das Fahrzeug dann ungewaschen an Lexa übergeben musste).

Ich finde die Formgebung des Astra wesentlich schöner als bei älteren Modellen, er wirkt nicht mehr so nach Knutschkugel, sondern hat durch die kantigere und dennoch geschwungene Linienführung etwas aggressiveres, wirkt sportiver.

Innere Werte

Kritisch hingegen muss ich die gewählte Innenausstattung beurteilen. Wie schon andere Fahrer schrieben, geht die braune Leder-Garnitur quasi gar nicht, und die Zierleisten in Holzimitat-Ausführung sind was für alte Leute in einem Golf2, haben aber absolut nichts in einem Wagen verloren, der sich Sportwagen schimpft und folglich eine eher junge Zielgruppe adressiert. Ich hätte mir gewünscht, ein zur Champagner-Lackierung passendes Interieur vorzufinden, also mindestens champagnerfarbene Sitzbezüge, und die Zierleisten hätten in gleicher Lackierung wie außen ebenfalls wesentlich besser gewirkt.
Bei geschlossener Persenning der Panoramascheibe (dazu später mehr) wirkte der Wagen innen stockfinster, insbesondere auf der Rückbank war das vorhandene Restlicht quasi zu dunkel, um auch nur ein Buch zu lesen.

Sehr übersichtlich und stets gut lesbar hingegen die Armaturen des Fahrers – egal bei welchen Lichtverhältnissen, ob tags oder nachts, alles war stets gut im Überblick zu behalten, und man wurde auch nicht mit zu viel Informationen überfrachtet, so dass die Konzentration nicht automatisch immer wieder vom Fahren abgelenkt wurde.

Als bestenfalls „übersichtlich“ muss man allerdings auch die Ablagemöglichkeiten im Wageninneren bezeichnen. Die Seitentasche auf Fahrerseite nimmt ja noch so einiges auf und bot Platz für immerhin acht bis zehn CD-Hüllen sowie ein Sonnenbrillen-Etui. Das Pendant auf der Beifahrerseite ist aber nur halb so groß, und auch das Handschuhfach kann diese Scharte nicht auswetzen. Witzig am Fach finde ich die Möglichkeit, einen Schalter umzulegen und das Fachinnere von der Klimaanlage mit kühlen zu lassen. Der Sinn dieser Maßnahme erschloss sich uns dreien jedoch nicht, da der Stauraum zur Aufnahme von Getränkedosen oder ähnlichem zu klein ist, und eine Klimatisierung auf Kühlschrankniveau allein des Faches scheint auch nicht vorgesehen zu sein (im Handbuch ließ sich jedenfalls nichts dergleichen finden) – will man das Fach also richtig kalt haben, muss man sich im Wagen selbst warm anziehen, wie es scheint ;)
Also: nettes Gimmick, aber sinnvoll? Ich weiss nicht….

Navi

Das Audio/Navigationssystem kam in der einfachen bernsteinfarbenen Display-Ausführung daher, stellt somit zum Luxus im Twintop einen deutlichen Kontrast dar. Für die reine Bedienung von Autoradio und Bordcomputer ist das vollkommen ausreichend, doch für die Navigation muss ich sagen, reicht das nicht. Denn mangels Farbe kann das Navi keine Kartendarstellung anzeigen, sondern macht stets nur durch einen Pfeil deutlich, in welche Richtung die nächste Abzweigung geht. Manchmal standen diese Darstellung und die Realität in witzigem Kontrast, und hätten wir auf unseren Trips nicht zu Vergleichszwecken stets einen Tomtom One mit DE/CH/AT-Karte dabeigehabt, hätten die Allüren des Opel-Navis zu so manchem spannenden Umweg geführt.
Positiv hervorheben muss man – zumindest in Deutschland – die vorhandene Anbindung und Einbeziehung des TMS bei der Routenplanung. Auf der Tour nach Frankfurt fuhren wir drei zunächst erschreckt zusammen, als die Dame mit ihrer Schlafzimmerstimme uns auf einmal etwas von einem „Falschfahrer auf Ihrer Fahrbahn“ ins Ohr brüllte – die Gefahr war dann aber glücklicherweise noch gute 110 km von uns entfernt. Jedoch gab das Mädel keine Entwarnung, als der Falschfahrer dann entschärft war.
Nervig war das TMS hingegen in Holland beim Amsterdam-Trip, denn da die niederländischen Autobahnen quasi ein einziger Megastau sind und die Perle außer Hauptstraßen und Autobahnen keine Wege in Holland kannte, forderte sie uns permanent auf, wegen Staus auf unserer Route den Weg neu zu berechnen.
Dank Ortskenntnis und Tomtom haben wir diese Hinweise dann einfach ignoriert und sind trotzdem zielsicher und ohne extreme Zeitverluste in Amsterdam angekommen.

Absurd wird das Navi, wenn man die dem Gerät bekannten Straßen verlässt – „fahren Sie zur geplanten Route“ plärrt es dann, zeigt nur noch die gewünschte Himmelsrichtung und eine grobe (Kilo)meter-Angabe an, wie lange man wohin fahren soll, um wieder eine bekannte Hauptstraße zu erreichen. Wenig hilfreich, muss ich sagen. Da kommt man im Vergleich mit nem Tomtom deutlich besser klar, eben weil man dort wenigstens permanent eine komplette Karte sieht und sich daran orientieren kann.

Der Sound

Für ein Werksradio und Werksboxen war die Soundqualität der Anlage erstaunlich gut…. Ich habe streckenweise härtere Gangarten von Wumpscut und Velvet Acid Christ eingelegt (teilweise acht Jahre alte selbstgebrannte MP3-CDs, die der Player übrigens klaglos gelesen hat, ohne auch nur einen Aussetzer zu vermelden!), und die Bässe wummern da schon sehr gut, muss ich sagen. Dabei wird die Beschallung auch dem Mitfahrer auf der Rückbank nicht unangenehm (zumindest für uns drei Erwachsene kann ich das so behaupten).
Die Sendersuche in den einzelnen Regionen gestaltet sich sehr einfach, nix mehr mit Frequenzen abklappern, sondern einfach mit dem Wippschalter an der rechten Lenkradnabe durchklicken, und man findet dank RDS-Namensauflösung schnell den Sender, den man sucht. Das hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden und in Belgien super funktioniert. Am Radio/CD-System also keine Beanstandungen zu vermelden.

Platzangebot

Die gibt es erst wieder in Sachen Platzangebot einzubringen. Denn Fahrer und Beifahrer haben jede Menge Platz, wie man sich das von einem sportlichen Wagen erwartet, doch auf der Rückbank sieht das ganz anders aus. Personen, die wie ich größer als rund 1,85 sind, oder etwas korpulenter gewachsene Leute, dürften mit der Beinfreiheit ihre liebe Not haben – insbesondere dann, wenn man nicht der einzige hinten sitzende Mitfahrer ist, sondern sich den Platz mit noch einem oder zwei anderen teilen muss. Denn alleine kann man seine langen „Kackstelzen“ noch irgendwie zurechtfalten, dass es trotzdem halbwegs komfortabel bleibt. Ist die Rückbank aber voll besetzt, geht das nicht mehr. Und da der Wagen hinten schon sehr flach ist, sitzt man als Großgewachsener auch nicht mehr gerade, sondern macht zwangsläufig einen krummen Hals, der bei langen Strecken zu üblen Nackenverspannungen führt.
Also, Spass-Auto für zwei Personen, nicht wirklich family- bzw. gruppentauglich.
Das macht spätestens der Kofferraum deutlich, denn mit einer der zum Einkaufen üblichen Klappkisten und dem trnd-Paket mit den Sonnenblenden und der Sonnencreme ist der Kofferraum quasi voll. Drei Stative und Kamerataschen sowie unsere Jacken haben wir noch mit reinquetschen können, und dann war wirklich Schicht im Schacht. Wie man da beispielsweise Koffer oder Trollies für zwei Personen für einen mindestens zwei Wochen dauernden Urlaub mitnehmen soll, ist ein Rätsel, das ich nicht selbst lösen wollte. Wahrscheinlich gewinnt man durch Einklappen der Rückbank wieder einige Liter Stauraum.

Kommen wir zum Fahrkomfort und den Fahrleistungen, denn auch hier ist das Bild nicht einfach nur schwarz oder weiß, sondern bemisst sich in Graustufen.

Das Aushängeschild – die Panoramascheibe

Der Eyecatcher schlechthin ist ja die Wahnsinns-Panoramawindschutzscheibe – und eines der Hauptverkaufsargumente für den GTC. Man muss auch zugestehen, dass die Sicht und das Blickfeld durch die Scheibe absolut spektakulär sind. Das merkte ich besonders krass im Bankenviertel in Frankfurt, als es mir sichtlich schwer fiel mich auf die Fahrerei zu konzentrieren und nicht permanent staunend nach oben durch die Scheibe zu schauen.
Apropos oben – im oberen Drittel des Fahrersichtfeldes, bevor man anfängt, den Kopf in den Nacken zu legen, macht sich durch die Neigung der Scheibe ein deutliches Doppelbild bemerkbar. Autobahnschilder, hoch hängende Ampeln etc. werfen ein je nach persönlichem Empfinden sehr deutliches und störendes Doppelbild. Auch nach unten zur Fahrzeugnase hin treten Verzerrungen des Sichtfeldes auf, was es ungeübteren Fahrern sicherlich erschwert, die Dimensionen des Fahrzeugs genau abzuschätzen. Nur wenn man genau waagerecht geradeaus schaut, stellt man keinerlei Störungen oder Verzerrungen fest.
Einen anderen Nachteil spürt man als Fahrer sehr deutlich, wenn die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel erstrahlt. Denn statt das traumhafte Wetter zu genießen, kommt man faktisch nicht drum herum, eine Sonnenbrille aufzusetzen, da das Sonnenlicht sonst stark blendet und das Fahren zum Risiko werden lässt. Hier sollte sich Opel etwas überlegen, etwa durch (automatische) Tönung nach oben hin oder dergleichen.

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Auch ein Vorziehen der Persenning (die man übrigens stufenlos bewegen und einrasten kann, zwischen ganz dicht und ganz auf gibt es also keine klaren Abgrenzungen, man ist hier völlig frei in der Handhabung) ist da zumindest für Hochgewachsene wie mich keine praktikable Lösung, denn ich stoße mit meinen 1,88 schon mit dem Kopf an dem Ding an, und noch größere Fahrer werden da richtige Probleme bekommen. Obendrein wird es bei geschlossener Blende wie oben beschrieben im Wagen stockfinster.

Diese Verfinsterung des Wageninneren ist ein Nebeneffekt der sonstigen Fenster-Ausstattung. Denn die sportliche Formgebung des Fahrzeugs und die extrem dicke C-Säule schränken die Fenstergrößen sehr ein, und damit leider auch das Sichtfeld. Aus Fahrersicht kann man prima nach vorne, rechts und links rausschauen, aber nach hinten hinaus oder beim klassischen Schulterblick ist der Wagen in Sachen Sichtfeld eine Katastrophe. Einparken ohne den eingebauten Parkomaten geht sozusagen nur noch „nach Geräusch“, und kleine Kinder oder Haustiere auf der eigenen Auffahrt übersieht man schneller als einem lieb ist, wenn man rückwärts rausfahren will.

Fahrfeeling

Tja, die Fahrleistungen…. Auch wieder Licht und Schatten… hatte der GTC einen Turbo? Falls ja, war das nicht spürbar, muss man wohl sagen. Ja, da gibt es diesen Sportmodus, den man mit einem einfachen Tastendruck aktivieren konnte, der zu besserem Ansprechverhalten von Gas und Bremse führt und die Federung wohl eine Spur sportlicher werden lässt. Bemerkbar macht sich dieser Sportmodus allerdings fast ausschließlich in den drei unteren Gängen, wenn man „schnell aus dem Quark kommen“ möchte.
In diesem niedrigen Geschwindigkeitsbereich macht der Wagen auch wirklich sehr viel Spaß, die angenehm direkte Lenkung, der vergleichsweise kleine Wendekreis und die gute Abstimmung der unteren Gänge sind bei kurvenreichen Strecken eine wahre Freude.
Mit der 1,6-Liter-Maschine mit 105 PS war das Sommertour-Modell aber vollkommen untermotorisiert, sofern wir den Wagen als „Sportwagen“ testen sollten.
Nicht nur, dass die realistisch erzielbare Höchstgeschwindigkeit bei 180 km/h liegt (ich habe es nur ein einziges Mal geschafft, lang genug freie Strecke zu haben, um die letzten 20 km/h bis zur 200 auch noch durchbeschleunigen zu können – und dann säuft der Motor wie ein Loch in einem Faß ohne Boden, denn 25 bis 30 Liter je 100 Kilometer sind dann nichts), viel schlimmer ist ein eklatantes Leistungsloch im Bereich zwischen 90 und 110 km/h. Wenn man auf dieses Leistungsloch nicht vorbereitet ist, kann das lebensgefährlich werden, wenn man auf einer zweispurigen Autobahnstrecke so freundlich ist richtig motorisierte Fahrzeuge hinter einem vorbeizulassen, dann aber durch einen vorausfahrenden LKW ausgebremst wird und mit nur noch 90 Sachen wieder nach links ziehen muss. Vertut man sich da mit der Geschwindigkeit sich von hinten nähernder Fahrzeuge, kann das verdammt eng werden, weil es eine schiere Ewigkeit dauert, bis man von 90 wieder bei 100, 110 und schließlich jenseits der 120 ist.
Unserer Erfahrung nach hilft da nur noch radikales Runterschalten in den dritten Gang und Vollgas, sonst kommt man sich vor wie ein stehendes Hindernis auf der Überholspur. Das ist weder motor- noch umweltschonend, und an den Spritverbrauch bei diesen Gewaltmanövern mag ich erst recht nicht denken. Nein, nein, wie ein Sportwagen verhält sich der GTC da wirklich nicht. Also Leute, gaaaanz großes Minus hier, fast schon „durchgefallen“. Selbst mein 15 Jahre alter Mazda 323 mit schlappen 75 PS und identischem Leergewicht ist in der Disziplin besser. Ich weiss daher beim besten Willen nicht, was Opel da an dem Motor so dermaßen versaut hat, dass dieses regelrechte LOCH in der Motorleistung so drastisch zum Tragen kommt.

Dickes Plus andererseits wieder beim Fahrwerk, und zwar egal ob im Sportmodus oder nicht (den Unterschied konnten wir wiederum kaum spüren, aber vielleicht waren die von uns befahrenen Strecken dafür einfach nicht holprig genug). Der Federkomfort ist bombig, selbst das teilweise üble Kopfsteinpflaster in Brüssel war im Inneren kaum zu spüren, und der Grip in engen Kurven ist 1A. Das ist zwar sicherlich auch den 225er Schluffen geschuldet, die aufgezogen waren, aber hier kann ich nun wirklich nicht meckern.

Auch in Sachen Bremsleistung keine Abzüge in der B-Note – rasches Anspringen, sehr gute Bremsleistung, auch bei höheren Geschwindigkeiten keine Beanstandungen.

Und zum guten Schluss, um den Verriss der Motorleistung wenigstens ein bisschen auszugleichen, sei noch auf den Tempomat eingegangen. Eine solche Einrichtung kenne ich persönlich bisher ausschließlich aus Fahrzeugen mit Automatik-Getriebe. Im GTC paart sich ein solcher Tempomat aber tatsächlich mit einem Schaltgetriebe, und in toto ist diese Kombination tatsächlich als brauchbar zu beurteilen. Klar, der Tempomat hat hier keine Chance selbst zu schalten wie bei der Automatik, folglich bewirkt schon ein Antippen der Kupplung, dass sich eine eingestellte Geschwindigkeit löscht und den Tempomat deaktiviert – da die drei Schalterchen für das Ding aber perfekt und jederzeit greifbar am Blinkerhebel angebracht sind, hat man den Dreh sehr schnell raus, wie man optimal mit ihm umgeht.
Vor allen Dingen auf langen Strecken (etwa die A3 zwischen Köln und Frankfurt), die man einfach gemütlich und ungestresst hinter sich bringen möchte, spielt dieses Gimmick seine Vorteile aus – einfach gewünschte Geschwindigkeit fahren, Tempomatknopf drücken, Fuß vom Gas nehmen, fertig. Mit zwei weiteren Schalterchen kann man die eingestellte Geschwindigkeit in 2km/h-Schritten erhöhen oder senken – was wir in der Praxis aber nur in den Benelux-Ländern sinnvoll nutzen konnten, da deutsche Autobahnen für das mit dem Tempomaten verbundene gemütliche Beschleunigen bzw. Ausrollen mit zu vielen hektischen Dränglern vollgepropft sind. In Deutschland ist es definitiv besser, zum Verändern der Reisegeschwindigkeit kurz selbst Gas zu geben bzw. zu bremsen und dann den Tempomat neu zu aktivieren, statt mit den Knöpfchen herumzuklicken.

Apropos Klicken: sehr gewöhnungsbedürftig fand ich den Blinkerhebel, verglichen mit den mir sonst bekannten Fahrzeugen. Blendet man aber seine Gewohnheiten aus, schaltet man mental schnell auf die Opel-Gepflogenheiten um und kommt problemlos klar. Schwierig wird es erst dann, wenn man wie wir drei in der Woche regelmäßig zwischen dem Astra und dem eigenen Fahrzeug mit anderer Blinkerhaptik hin und her wechseln musste.

Fazit

Der Opel Astra GTC in der Cosmo-Edition ist nett. Punkt. Hier könnte mein Fazit schon zu Ende sein ;) Er ist ein Spassmobil, welches ich in der Freizeit gern gefahren bin bzw. auch gern wieder fahren würde. Das getestete Modell war aber gravierend untermotorisiert und wird daher dem Anspruch, ein Sportwagen zu sein, bestenfalls sehr bedingt gerecht. Die Gestaltung der Innenausstattung ist durchaus kritikwürdig. Im beruflichen Alltag, der mich teils tausende Kilometer pro Woche quer durchs Land führt, bevorzuge ich aber andere Fahrzeuge, und als Familienwagen wäre der GTC wegen der Nachteile im Fond und in Bezug auf den verfügbaren Stau- und Kofferraum faktisch ungeeignet.
Damit ist leider auch der Preis für das Fahrzeug absolut indiskutabel. Tauscht man das Währungssymbol durch die gute alte DMark aus, sähe das anders aus, aber für den verlangten Gegenwert gibt es definitiv preiswertere Alternativen, und damit ziele ich nicht nur auf die Reisschüsseln ab.
Die Panoramascheibe ist halt nett, für mich aber kein ausschlaggebendes Kaufkriterium, insbesondere da sie ja auch die oben geschilderten Nachteile für Personen wie mich mit sich bringt.

Alles in allem war das also eine spaßige Woche mit dem Fahrzeug, und Opel hat in Sachen Verarbeitungsqualität und Fahrkomfort in den letzten zwanzig Jahren definitiv sehr viel dazugelernt. In Bezug auf Preispolitik und Kaufkraft deutscher Haushalte müssen die Jungs aber ganz eindeutig mal nachschulen, und mit Spaßgesellschaft kann man das auch nicht verargumentieren, denn dazu müsste ein Wagen mit der Bezeichnung „Sportwagen“ bei gleichem Preis mindestens 50-80 PS und einen Turbo mehr unter der Haube haben.

Ich persönlich bin nun sehr gespannt, inwiefern dieser umfassende Bericht bei trnd und bei Opel Gehör findet und irgendwelche sinnvollen Reaktionen provoziert. Leider darf man ja hier auf dem Projektblog nicht mehr wirklich viele Kommentare auf seine Beiträge erwarten, und so bleibt mir nur die Hoffnung, dass die rund drei Stunden Arbeit, die ich in das Verfassen dieser Zeilen investiert habe, bei den verantwortlichen Stellen Anerkennung finden.

Hier noch die versprochenen Bilder….

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Deutsche Bank Tower

Diskussion

Meinungen der trnd-Partner

14.10.07 - 16:49 Uhr
Trackback von 4null4.de - Sarcasm’s paradise

Meine Woche mit dem Opel Astra GTC…

Wie meine Stammleser ja wissen, wurde ich anläßlich der von trnd veranstalteten Opel Astra Sommertour als einer der 17 Testfahrer des Opel Astra GTC Cosmo Edition auserwählt. “Meine” Woche mit dem Astra war die vom 23. bis 3…

14.10.07 - 23:13 Uhr
von HAL9000

Umfassender und kritischer Bericht, gefällt mir. Ich glaube, Du wärst mit dem TwinTop besser bedient gewesen, hm? ;-)

15.10.07 - 17:35 Uhr
von Silencer

schon möglich, war mir aber letztendlich egal :) ist ja schon ein riesenglück gewesen, bei den sicherlich tausenden von bewerbungen überhaupt einer der 34 fahrer zu werden ;)

uns dreien hat der GTC auch so spass gemacht, und meine beiden mitfahrer waren vom fahrfeeling her einer meinung mit mir….
dieses leistungsloch bei 90 bis 110 ist halt echt übel, aber ich bin eh kein raser, in sachen endgeschwindigkeit gibts also nix zu meckern. ich gehöre eigentlich eher zu der verschwindend kleinen fraktion in deutschland, die ein striktes tempolimit auf 120 wie in benelux fordert ;)

weder in holland noch in belgien war das leistungsloch dann auch ein problem - irre raser hat man nur in deutschland permanent im kofferraum sitzen ;)